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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Diagnose Anaplasmose - niedriger Titer


Vox Canis
12.08.2010, 13:19
Hallo zusammen, liebe Foristen,

ich habe seit Oktober 2009 eine große kastrierte Hündin aus Südspanien (geschätztes Alter 4 Jahre), die dort zuletzt im Mai 2009 auf MMK getestet wurde. Ergebnis: alles negativ (Filaria, Babesiose, Ehrlichiose, Leishmaniose, Lyme).

Im Juni 2010 wurde sie in der hiesigen Tierklinik wieder getestet und wieder alles negativ... Fast... Nämlich bis auf Anaplasmen, hier hat sie einen Titer von 1:64. :-(

Wie so viele Hundehalter kannte ich diese Krankheit überhaupt nicht. In euren Beiträgen und Threads konnte ich viel darüber erfahren, wie diese Krankheit therapiert wird und welche Symptome auftreten. Meine Tierärztin sagte mir bei der Diagnose, dass dieser niedrige Titer in ihren Augen nicht behandlungswürdig sei und dass ich die Maus eben jährlich daraufhin kontrollieren soll.

Anlässlich der Blutentnahme für die MMK-Tests habe ich auch wegen BARF-Fütterung ein Blutbild erstellen lassen - hier sind alle Werte völlig in Ordnung.

Seid ihr auch der Meinung, dass ein Titer von 1:64 noch keine Behandlung rechtfertigt? Was sind eure Erfahrungen? Ich will bestimmt keine unnötige Welle machen und - wie ihr euch sicher vorstellen könnt - auch keine Behandlung betreiben, die nicht sinnvoll ist.

Ahnungslose Grüße
Elli

Jeanie
12.08.2010, 15:53
Hallo, Elli, :welcome:

aus deinem Posting geht hervor, daß du schon einige Untersuchungen hast machen lassen. Stell doch alle Befunde hier ein, damit können sich die Fachfrauen ein genaueres Bild vom gesundheitlichen Zustand deines Hundes machen und dich dann auch fundiert beraten. :winke:

tizian_2003
12.08.2010, 22:35
Hallo Elli,

die Behandlungsbedürftigkeit ist nicht vom Titer abhängig. Wenn wirklich alle Werte in Ordnung sind, also Blutbild, Organwerte und Eiweißelektrophorese, und auch keine Symptome vorliegen, muss man auch nicht behandeln. Aber natürlich sollte man es im Auge behalten, sodass man bei entsprechenden Beschwerden reagieren kann.

Liebe Grüße
Andrea

Vox Canis
19.08.2010, 14:14
lieben Dank für eure Antworten! Ich war länger nicht am Computer (weil wegen Tennisarm krankgeschrieben und dann noch zwei Tage im Ruhrgebiet auf Seminar), deswegen meine leicht verspätete Reaktion - in keinster Weise als Nichtachtung eurer Beiträge gedacht!!

Eigentlich hab ich nicht viel machen lassen bisher. Wie gesagt, die Hündin kam mit einem Impfpass aus Spanien, in dessen Notizseiten ein spanischer Tierarzt im Mai 2009 kaum lesbar hingesudelt hatte, dass sie negativ getestet sei auf die in meinem ersten Beitrag genannten MMKs. Die Tierklinik hier hat mir im Juni dann auch nur einen Laborausdruck ausgehändigt, auf dem folgendes zu lesen ist:

Methoden und Parameter:
Serum IFAT Babesia canis - negativ
Serum IFAT Leishmania infantum - negativ
Serum IFAT Anaplasma phagocytophilum - 1:64 - positiv
EDTA-Blut Blutausstrich "Parasiten/Ricketsien nicht nachgewiesen"
EDTA-Blut Knot Mikrofilarien "Der Knott-Test konnte nicht durchgeführt werden, da das EDTA-Blut koaguliert war" (ist das nun ein Fehler der Tierklinik???)

Gleichzeitig wurde auf meinen Wunsch ein Blutbild erstellt (im Hinblick auf Rohfleischfütterung). Hier sind alle Werte im Normbereich, bis auf drei klitzekleine Ausreißer nach unten, die eben die Grenze touchieren:

Chlorid (CI-) - Wert 108 (Norm 109-122 mmol/l)
Monozyten (Anzahl) (MONO): Wert 0,32 (Norm 0,3 bis 2 M/l)
Thrombozyten (Anzahl) (PLT): Wert 166 (Norm 175-500 G/l)

Was da alles konkret getestet wurde, kann ich nicht benennen. Ich habe ein Blatt mit einer Unzahl von Parametern von Harnstoff über Aspartat-Amino-Transferase und Erythrozytenverteilungsbreite bis hin zu Basophile, usw., bitte sagt mir ggf. einfach, was euch interessiert. Auf der Rechnung der Klinik hieß das "Blutchemische Untersuchung: Elektrolyte", "Blutbild: Laser Cyte" und "Blutchemische Untersuchung: Einzelparameter inkl. Material".

Eine Eiweißelektrophorese wurde bislang meines Wissens nicht gemacht.

Vielleicht ist es für euch auch noch interessant zu wissen, dass der Hund bei dieser Gelegenheit auch eine 5-fach-Impfung bekam (die ich nicht wiederholen werde, ich bin kein Impf-Freak).

Wenn die Behandlungsbedürftigkeit nicht vom Titer abhängig ist, muss ich dann "nur" auf Symptome achten und eben jährlich eine Blutuntersuchung machen lassen? Auf Anaplasmen oder was sonst noch? Beschwerden wären dann unspezifisches Fieber, Lahmheiten oder was sonst noch?

Vielen Dank im Voraus!
Elli

Vox Canis
19.08.2010, 14:17
Oops, jetzt hab ich bei den Laborbefunden zu MMKs doch zwei vergessen einzutragen:

Methoden und Parameter:
IFAT Ehrlichia canis - negativ
ELISA Dirofilaria immitis - negativ

Sorry.

Elli ;-|

steffi
20.08.2010, 10:48
Hallo Elli,

stell doch mal die kompletten Befunde, die Du hast, hier ein. So ergibt sich ein besseres Gesamtbild und wir können Dich gezielter beraten.

Liebe Grüße

Steffi

Vox Canis
20.08.2010, 12:07
Untersuchung Labor / IDEXX

Klinische Chemie:
Harnstoff (UREA): 5,7 mmol/l
Kreatinin (CREA): 141 µmol/
Natrium (Na+): 156 mmol/l
Kalium (K+): 3,8 mmol/l
Chlorid (CI-): 108 mmol/l
Calcium (Ca+): 2,28 mmol/l
Bilirubin (gesamt) (TBIL): 9 µmol/l
Alanin-Amino-Transferase (ALT): 32 nkat/l
Aspartat-Amino-Transferase (AST): 30 nkat/l
Alkalische Phosphatase (ALKP): 41 nkat/l
Glukose (GLU): 5,12 mmol/l
Gesamtprotein (TP): 64 g/l
Albumin (ALB): 32 g/l
Globulin (GLOB): 32 g/l

Sonstiges:
BUN/CR: 10
Na/K: 41
OSM ca: 308 mmol/kg
ALB/GL: 1

Hämatologie:
Erythrozyten (RBC): 6,6 T/l
Hämatokrit (HCT): 49 l/l
Hämoglobin (HGB): 16,4 mmol/l
Mittleres Erythrozytenvolumen (MCV): 74,2 fl
Mittlerer Hämoglobingehalt der Einzelerythrozyten (MCH): 24,88 fmol
Mittlere Hämoglobinkonzentration der Erythrozyten (MCHC): 33,5 mmol/l
Erythrozytenverteilungsbreite (Variationskoeffizient) (RDWc): 15%
Retikulozyten (%) (%RETIC): 1,6%
Retikulozyten (Anzahl) (RETIC): 104,6 G/l
Leukozyten (WBC): 6,73 G/l
Neutrophile (%) (%NEU): 66,5%
Lymphozyten (%) (%LYM): 24,1%
Monozyten(%) (%MONO): 4,7%
Eosinophile (%) (%EOS): 4,1%
Basophile (%) (%BASO): 0,6%
Neutrophile (Anzahl) (NEU): 4,48 M/l
Lymphozyten (Anzahl) (LYM): 1,62 M/l
Monozyten (Anzahl) (MONO): 0,32 M/l
Eosinophile (Anzahl) (EOS): 0,28 M/l
Basophile (Anzahl) (BASO): 0,04 M/l
Thrombozyten (Anzahl) (PLT): 166 G/l
Mittleres Thrombozytenvolumen (MPV): 5,95 fl
Thrombozytenverteilungsbreiete (Variationskoeffizient) (PDWc): 19,5%
Thrombokrit (PCT): 0,1 l/l

Uff... Ich hoffe, das gibt jetzt mehr her.

Viele Grüße und vielen Dank im Voraus,
Elli

Mona
20.08.2010, 12:09
Hallo Elli,
ich fürchte, du mußt nochmals ran :denk: Die Referenz(Norm)werte solltest du noch einfügen.

Vox Canis
20.08.2010, 22:38
Untersuchung Labor / IDEXX

Klinische Chemie:
Harnstoff (UREA): 5,7 mmol/l - Norm 2,5 - 9,6
Kreatinin (CREA): 141 µmol/ - Norm 44 - 159
Natrium (Na+): 156 mmol/l - Norm 144 - 160
Kalium (K+): 3,8 mmol/l - Norm 3,5 - 5,8
Chlorid (CI-): 108 mmol/l - Norm 109 - 122
Calcium (Ca+): 2,28 mmol/l - Norm 1,98 - 3
Bilirubin (gesamt) (TBIL): 9 µmol/l - Norm 0 - 15
Alanin-Amino-Transferase (ALT): 32 nkat/l - Norm 10 - 100
Aspartat-Amino-Transferase (AST): 30 nkat/l - Norm 0 - 50
Alkalische Phosphatase (ALKP): 41 nkat/l - Norm 23 - 212
Glukose (GLU): 5,12 mmol/l - Norm 4,11 - 7,95
Gesamtprotein (TP): 64 g/l - Norm 52 - 82
Albumin (ALB): 32 g/l - Norm 23 - 40
Globulin (GLOB): 32 g/l - Norm 25 - 45

Sonstiges: (hier keine Angabe von Normwerten auf Untersuchungsergebnis)
BUN/CR: 10
Na/K: 41
OSM ca: 308 mmol/kg
ALB/GL: 1

Hämatologie:
Erythrozyten (RBC): 6,6 T/l - Norm 5,5 - 8,5
Hämatokrit (HCT): 49 l/l - Norm 37 - 55
Hämoglobin (HGB): 16,4 mmol/l - Norm 12 - 18
Mittleres Erythrozytenvolumen (MCV): 74,2 fl - Norm 60 - 77
Mittlerer Hämoglobingehalt der Einzelerythrozyten (MCH): 24,88 fmol - Norm 18,5 - 30
Mittlere Hämoglobinkonzentration der Erythrozyten (MCHC): 33,5 mmol/l - Norm 30 - 37,5
Erythrozytenverteilungsbreite (Variationskoeffizient) (RDWc): 15% - Norm 14,7 - 17,9
Retikulozyten (%) (%RETIC): 1,6% - keine Norm-Angabe
Retikulozyten (Anzahl) (RETIC): 104,6 G/l - keine Norm-Angabe
Leukozyten (WBC): 6,73 G/l - Norm 5,5 - 16,9
Neutrophile (%) (%NEU): 66,5% - keine Norm-Angabe
Lymphozyten (%) (%LYM): 24,1% - keine Norm-Angabe
Monozyten(%) (%MONO): 4,7% - keine Norm-Angabe
Eosinophile (%) (%EOS): 4,1% - keine Norm-Angabe
Basophile (%) (%BASO): 0,6% - keine Norm-Angabe
Neutrophile (Anzahl) (NEU): 4,48 M/l - Norm 2 - 12
Lymphozyten (Anzahl) (LYM): 1,62 M/l - Norm 0,5 - 4,9
Monozyten (Anzahl) (MONO): 0,32 M/l - Norm 0,3 - 2
Eosinophile (Anzahl) (EOS): 0,28 M/l - Norm 0,1 - 1,49
Basophile (Anzahl) (BASO): 0,04 M/l - Norm 0 - 0,1
Thrombozyten (Anzahl) (PLT): 166 G/l - Norm 175 - 500
Mittleres Thrombozytenvolumen (MPV): 5,95 fl - keine Norm-Angabe
Thrombozytenverteilungsbreiete (Variationskoeffizient) (PDWc): 19,5% - keine Norm-Angabe
Thrombokrit (PCT): 0,1 l/l - keine Norm-Angabe



Hoffentlich ist das jetzt besser für alle Fachleute.

Viele Grüße und gute Nacht

Elli

steffi
21.08.2010, 17:25
Hallo Elli,

die eingestellten Befunde sehen bis auf die erniedrigte Thromozytenzahl unauffällig aus. Nun ist gerade der Thrombozytenwert ein recht instabiler Wert, die Thrombozyten können leicht verklumpen, dann zählt das Gerät falsch.

Eine Behandlungsbedürftigkeit der Anaplasmose kann ich anhand der eingestellten Werte nicht erkennen.

Dein Hund wurde kürzlich geimpft. Durch eine Impfung kann bei latenten Infektionen ein Krankheitsausbruch hervorgerufen werden. Probleme treten dann meist 2-4 Monate nach der Impfung auf. Ich würde deshalb in etwa 3-4 Monaten nach der Impfung Blutbild, Organwerte und Elektrophorese kontrollieren lassen, daran sollte man sehen, ob sich die Anaplasmose bemerkbar macht oder nicht. Eine Titerbestimmung brauchst Du nicht, diese dient eigentlich nur der Diagnosestellung, ob ein Erregerkontakt stattgefunden hat oder nicht. Sollten unklare Beschwerden oder Symptome auftreten, kann man die Blutuntersuchung ggf. vorziehen.

Beschwerden wären dann unspezifisches Fieber, Lahmheiten oder was sonst noch?
Es kann auch zu Appettitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Abgeschlagenheit, erkältungsähnlichen Symptomen und Nasenbluten kommen. Hier findest Du eine gute Infoseite zur Anaplasmose: http://www.windhunde-sind-jagdhunde.de/wsj-ehrlichose.pdf

Liebe Grüße

Steffi

Vox Canis
22.08.2010, 10:11
Hallo Steffi und andere Foristen,

ganz lieben Dank für eure fachkundige Beratung und Hilfe! Eure Meinung war mir sehr wichtig, um nicht nur von einer (vielleicht nicht so spezialisierten) Tierärztin beraten zu werden.

Im Oktober lasse ich nochmal Labor mit Blutwerten, Organwerten und Elektrophorese machen. Und die Schilderung der möglichen Anzeichen hilft mir auch enorm weiter. Vielen Dank für den Link!

Sommerliche Grüße
Elli