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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Interpretation von Babesiose-Titern beim Hund sowie resultierende Therapie


Kristin
10.10.2005, 19:36
Hallo erst mal an alle! :)

Ich bin neu hier und möchte erst einmal alle Teilnehmer dieses Forums herzlich grüßen. Ich habe schon als Gast einige Themen gelesen und mich nun auch registrieren lassen. Ich bin 33 Jahre alt und habe 2 Hunde aus dem Tierheim EHDKD in Istanbul.

Ich habe beide Hunde auf die sog. Reisekrankheiten testen lassen. Der Rüde Leo hatte im März 2004 einen Ehrlichien-AK-Titer von 1:40 und wurde daraufhin von der Tierärztin mit 2 Spritzen Imidocarb behandelt. Die jüngere Hündin Lisa hatte im Juli 2005 einen Ehrlichia canis-AK-Titer von 1:50 und wurde daraufhin von derselben Tierärztin nicht behandelt mit der Begründung, daß hierzulande viele Hunde einen positiven Ehrlichiose-Titer hätten und erst die manifeste Erkrankung (leicht erkennbar, da schwer) behandlungsbedürftig sei. Beide Hunde waren und sind ohne Symptome. Lisa hatte in der Blutuntersuchung außerdem eine absolute Monocytose von 879/ul, relativ 9%, ansonsten unauffällig.

Die Frage , die ich mir nun stelle: Warum wurde Leo mit Imidocarb behandelt und Lisa nicht? Wäre bei Lisa auch ein chronischer Verlauf denkbar und deshalb nicht doch eine Therapie sinnvoll? Oder reicht eine Kontrolluntersuchung in einem zeitlichen (wie lange?) Abstand aus? :confused:

Dazu sollte ich noch sagen, daß Leo direkt untersucht wurde, als er als erwachsener Hund aus der Türkei zu uns kam, während die 2-jährige Lisa bereits als 8-wöchiger Welpe nach Deutschland kam,wir sie aber erst seit einigen Monaten haben und deshalb auch erst im Juli untersuchen lassen konnten.

Bitte mailt mir Eure Erfahrungen/Ansichten.

Christiane
10.10.2005, 20:01
Hallo Kristin,

ein Ehrlichiose-Titer von 1:40 oder 1:50 ist im fraglichen Bereich. Das heißt, es kann auch andere Ursachen haben, von Ungenauigkeiten beim Testen bis zu Kreuzreaktionen mit anderen Krankheiten.

Hier würde ich mir immer mal anschauen, ob es Symptome gibt und ein großes Blutbild machen lassen. Außerdem würde ich die anderen wichtigen Reisekrankheiten aus der Türkei testen lassen - Leishmaniose, Babesiose, Hepatozoen, Filarien.

Symptome für Ehrlichiose wären Fieber, Lahmheiten, Mattigkeit, es kann auch nur eins davon vorhanden sein. Im Blutbild sieht man bei E. meist deutlich erniedrigte Thrombozyten (in chronischen Fällen aber nicht mehr immer).

Wenn das alles nicht zutrifft, der Hund fit ist und sonst nichts dafür spricht, würde ich abwarten und in 2-3 Monaten wieder testen.

Imidocarb ist auch nicht unbedingt das Mittel der Wahl, es ist eigentlich gegen Babesiose gedacht. Ich weiß, dass es von einigen Labors noch zur Therapie empfohlen wird, aber nach meiner Information wirkt Doxycyclinhyclat besser. Das ist aber eine längere Einnahme, und deshalb sollte die Diagnose schon sicher feststehen - damit man sie dem Hund nicht umsonst zumutet.

Gibt es bei Euch denn Symptome? Stell am besten das komplette Blutbild mal hier rein, dann sehen wir, ob sich Anhaltspunkte ergeben.

Kristin
11.10.2005, 19:03
Hallo Christiane!

Herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort. Hier habe ich den Befund von Leo aus 2004, auf den hin er mit Imidocarb behandelt wurde:

LABOKLIN GmbH
Prinzregentenstr. 3
97668 Bad Kissingen
Tel-Nr.: 0971-72020

Eingangsdatum: 25-03-2004
__________________________________________________ ________________
_ Angaben zum Patienten: Hund DSH-Mix "Leo" _
_ männlich kast. 2 Jahre _
_ Probenentnahme: 24-03-2004 _
_ Patientenbesitzer: Mühlen, Kristin v. d. _
_ Probenmaterial: Serum _
__________________________________________________ ________________
Befund-Nummer: 0403-S-45805

Messgrößen Ist Normalwert

Babesien-Antikörper (IFAT):
Titer: < 1:20
Bewertung:
< 1:20: Es konnten keine Antikörper nachgewiesen werden. Gründe
können sein: keine Infektion, Probenentnahme vor Sero-
konversion (ca. 10 Tage p.i.), Immunsuppression im Rahmen
von Babesiosen mit verzögerten /fehlenden Antikörper-
spiegeln. Der Direktnachweis der Parasiten ist daher
immer anzustreben. (Rücksprache mit dem Labor über das
Procedere ist empfehlenswert.)
>/=1:40: Der Nachweis von Antikörpern spricht für das Vorliegen
einer Infektion. Therapie der Wahl erfolgt mit Imidocarb.

Ehrlichien-Antikörper
Titer: 1:40
Interpretation:
Titer von 1:20 werden als fraglich und Titer von 1:40 und höher
als positiv angesehen, wobei der klinische Befund häufig wenig
spezifisch ist. Die Behandlung erfolgt i.a. mit Tetrazyklin
(3xtägl. 22mg/kg) oder mit Doxyzyklin (10-25 mg/kg) über mind. 14
Tage oder (besser) mit Imidocarb (5-7 mg/kg 2x im Abstand von 14 Tagen).

Leishmaniose-Titer < 1:32
Bewertung des Leishmaniose-Ak (IFAT):
Titer < 1:32 werden als negativ, > 1:64 als positiv bewertet.
Niedrig positive Titer können im Rahmen von Kreuzreaktionen z.B.
mit Babesien oder Trypanosomen entstehen. Vereinzelt können sero-
logische Reaktionen bei infizierten Tieren fehlen.
Maßgeblich für die Bewertung ist der klinische Befund; weicht der
klinische von Laborbefund ab, so sollte eine Kontrolle im Abstand
von einigen Wochen erfolgen oder eine PCR durchgeführt werden.

Mehr wurde bei Leo leider nicht untersucht und das war das, was mir die Tierärztin empfohlen hatte. (Damals kannte ich die Seiten unter www.leishmaniose.de noch nicht. ;) )

Für Lisa habe ich bei Vet Med Labor dieses Jahr folgendes Ergebnis erhalten:

Untersuchung Ergebnis Normalwert Maßeinheit Anm
Blutbild
Leukozyten 10,4 6-12 G/l
Erythrocyten 7,88 6-9 T/l
Hämoglobin 18,2 15-19 g/dl
Hämatokrit 57 + 38-55 %
MCV 73 60-77 fl
HbE 23 17-23 pg
MCHC 32 31-34 g/dl
Thrombocyten 156 150-500 G/l

Differential-BB
Basophile Gr. 0 0-1 % 1)
Eosinophile Gr. 0 0-6 %
Segmentkernige 78 + 55-75 %
Lymphocyten 14 12-30 %
Monocyten 9 + 0-4 %
Basophile Gr. (absolut) 0 /ul
Eosinophile Gr. (absolut) 7 0-600 /ul
Segmentkernige (absolut) 8070 3000-10000 /ul
Lymphocyten (absolut) 1425 1000-4000 /ul
Monocyten (absolut) 879 0-500 /ul
atypische Zellen 0 0
Anisocytose 0 negativ
Polychromasie 0 negativ

Reisekrankheiten Profil 2
Makrofilarien ELISA negativ negativ
Leishmanien-AK negativ <1:50 Titer 2)
Ehrlichia canis-AK 1:50 <1:50 Titer 3)
Babesia spp-DNA (PCR) negativ negativ

Beurteilung:
2) Ein Titer von <1:50 im indirekten Immunfluoreszenztest (IFT) ist als negativer Befund zu werten. Sollte im weiteren Verlauf eine für Leishmaniose auffällige klinische Symptomatik bestehen, wird empfohlen, den Titer nochmals nach einem Zeitraum von 4-6 Wochen zu kontrollieren. Es ist zu beachten, dass aufgrund der individuellen Immunitätslage nicht alle infizierten Tiere einen Titer ausbilden.
3) Ein Antikörper-Titer (IgG) im indirekten Immunfluoreszenztest (IFT) von >=1:50 ist als positiver Befund zu werten. Es handelt sich bei diesem Wert allerdings um einen niedrigen Titer im Grenzbereich. der gegebenenfalls nach 2-3 Wochen noch einmal überprüft werden sollte. Serologische Titer sind immer im Zusammenhang mit klinischen Erscheinungen zu beurteilen. Als weitere diagnostische Möglichkeit steht der direkte Erregernachweis mittels PCR (bzw. mikroskopisch im Blutausstrich, i. d. Regel nur im Frühstadium der Infektion möglich) zur Verfügung.

Anmerkung:
1) Basophilenwerte bis 200/ul werden in der Literatur noch als physiologisch angesehen.

Die Hepatozoen kannte meine Tierärztin nicht und fand sie auch nicht auf der Anforderungsliste des Labors. Deshalb wurden sie nicht mitgetestet.

Symptome haben beide Hunde bis heute nicht. Sollte ich beide nochmals testen lassen, obwohl Leo mit Imidocarb behandelt wurde? Lisas Test ist von Juli 05; sollte ich sie jetzt noch mal testen lassen oder erst später?

Lisa ist ja schon als Welpe aus der Türkei gekommen, d.h. vor bereits ca. 2 Jahren. Welche Rolle spielt der zeitliche Verlauf, wenn sie sich bereits dort infiziert hat? Wie wahrscheinlich ist eine Infektion hier in Deutschland?

Wie du siehst, bin ich ziemlich ratlos. :confused:

Und das, obwohl ich selbst in der Humanmedizin im Bereich Hygiene, also nicht allzu weit weg von Infektionen, tätig bin und auch schon in der Med. Mikrobiologie gearbeitet habe. Aber wenn noch nicht mal das Robert-Koch-Institut eine Internet-Info zur Leishmaniose hat ... :mad:

Wie würdest Du an meiner Stelle weiter vorgehen mit meinen beiden Fellnasen?

Christiane
11.10.2005, 19:50
Hallo Kristin,

es KÖNNTE schon sein bei Lisa, die Monozyten sind etwas erhöht und die Thrombos bewegen sich an der unteren Grenze. Wenn, dann wäre die Infektion ja schon eine Weile her. Wenn der Hund den ersten Schub gut hinter sich bringt, sieht man später manchmal nicht mehr viel davon im Blutbild - das BB von meinen Hunden sieht ähnlich aus.

Ich würde sagen, ruf mal Torsten Naucke an und frag ihn, was er davon hält: 02208-770998, am besten am frühen Vormittag.

Ehrlichiose haben wir hier in D nicht, aber etwas ganz ähnliches: Anaplasmose. Die Symptome sind gleich, die Behandlung auch. Vielleicht wird er Dir eine PCR empfehlen, die auf beides gleichzeitig anspricht - dann wäre man auf der sicheren Seite.

Zu Leo: ob es nun Ehrlichiose war oder nicht, lässt sich jetzt natürlich nicht mehr feststellen. Man könnte auch bei ihm die PCR machen. Die sucht nicht nach Antikörpern, sondern nach DNA der Erreger, ist also ziemlich gut als Therapiekontrolle. Wenn Dir das alles im Moment zu teuer wird, kannst Du damit ja auch noch etwas warten, wenn er keine Symptome hat.

Lass Dich einfach von Torsten beraten und halt uns ruhig auf dem Laufenden, wie Ihr jetzt weiter macht.

Kristin
12.10.2005, 09:32
Hallo Christiane!

Danke. Ich werde mich bei Torsten Naucke erkundigen, was er empfiehlt für Leo und Lisa. Dann schreibe ich hier im Forum, wie wir weiterhin verfahren.

Herzliche Grüße aus Bayern, auch von Leo und Lisa.