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Thema: Adoption aus dem Tierschutz, Babesien, Leishmanien

  1. #1
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    Adoption aus dem Tierschutz, Babesien, Leishmanien

    Hallo, ich bräuchte einen Rat.

    Vor 3 1/2 Wochen haben wir Eiji, einen kleinen Terrier-Mix aus dem Tierschutz adoptiert. Er stammt aus Rumänien. Etwas blauäugig dachte ich, dass sich der Tierschutz um alle Untersuchungen gekümmert hat, ein dicker Impfpass, netter Kontakt in Bremen und ein sehr lustiges und wunderbares Tier.

    Wegen einer Augenentzündung bin ich zum
    Tierarzt und dort wurde mir dann empfohlen, auf Mittelmeererkrankungen zu testen.
    Ergebnis: Babesia.canis AK (EIA) 134.62 TE
    Leishmanien Antikörper (EIA) 1.52 LE

    Ich war erschrocken, der Tierschutz bestürzt und ich habe das Angebot bekommen das Eiji zurückzugeben.
    Ich habe jetzt einige Nächte darüber geschlafen. Auch hat er heute eine Spritze gegen die Babesien bekommen. Eine zweite folgt in 2 Wochen. Das liegt mir sehr am
    Herzen, aber ich mache mir jetzt Sorgen um die Leishmanien und ob ich die Verantwortung übernehmen kann und was es für uns bedeutet. Eiji ist ansonsten nicht krank, nur heute nach der Spritze etwas neben der Spur.
    Wir haben ihn sehr lieb. Trotzdem bin ich ratlos ob ich ihn zurückgeben sollte.
    Wer mag mir seine Einschätzung sagen?
    Liebe Grüße
    Carolin

  2. #2
    Forum-Team Avatar von henri
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    Hallo Carolin, herzlich willkommen. Weil der Babesientiter über 100 liegt und damit sehr hoch ist, wird es sich bei den Babesien um den Ungarn-Stamm handeln. Der wird mit einer höheren Dosis Carbesia behandelt. Weißt du welche Dosis Eiji jetzt gespritzt wurde?

    Theoretisch ist es möglich, dass es sich bei dem niedrigen Leishmaniosetiter um eine Kreuzreaktion handelt. Das gibt es schon mal in Verbindung mit einem sehr hohen Babesiosetiter. Ich will dir keine falsche Hoffnung machen, aber das kann sein und müsste später dann nochmal überprüft werden.

    Aber klar, es kann auch sein, dass er mit Leishmaniose infiziert ist. Da kann man schlecht was raten, wir haben Foris, die sich bewusst für einen infizierten Hund entschieden haben, andere fallen aus allen Wolken. Es ist nicht möglich einen Krankheitsverlauf sicher abzuschätzen. Was man aber sagen kann ist, dass wirklich wenige Hunde an Leishmaniose schwer erkranken. Das A und O ist dabei den Ausbruch früh zu erkennen.

    Was lässt dich den zweifeln? Eher die Kosten, oder weil du Angst vor einem schweren Ausbruch hast? Es ist natürlich schon teurer einen Hund zu haben, der auf regelmäßige Blutkontrollen angewiesen ist. Das muss jeder fûr sich entscheiden, ich würde ihm sehr wünschen, dass er bei euch bleiben darf.
    Geändert von henri (20.05.2021 um 16:02 Uhr)
    Viele Grüße
    Michaela


    Befunde Enia
    Befunde Joschi

  3. #3
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    Eiji

    Liebe Michaela,
    Vielen lieben Dank für Deine Einschätzung und Deinen Rat.
    Angst oder besser Bedenken habe ich vor einem schweren Ausbruch, einer Ansteckung/Übertragung auf die Familie oder andere Hunde. Es ist unser erster Hund, wir lernen noch dazu und da habe ich tatsächlich Angst vor Überforderung. Was die Kosten angeht hoffe ich, dass ich mich mit dem Tierschutz einigen kann.

    Die Dosis weiß ich nicht, nur dass er besser zwei mal gespritzt werden soll wegen dem hohen Titer. Das kann ich aber erfragen.

    Liebe Grüße
    Carolin

  4. #4
    Forum-Team Avatar von henri
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    Ja, frag mal nach. Carbesia wird bei Babesiose idR hier in DACH immer 2 x gespritzt. Beim Frankreich-Stamm werden 0,25 ml pro 10 kg Hund gegeben und beim Ungarn-Stamm 0,5 ml/10 kg.

    Eine Ansteckung ist nicht möglich, nur bei direktem Blutaustausch. Also Blutspender darf er nicht werden, falls er wirklich Leishmaniose hat, was nicht ganz sicher ist, wegen der möglichen Kreuzreaktion.

    Für eine Übertragung der Erreger ist die Sandmücke zwingend erforderlich. Die Mücke überträgt Promastigote, das ist eine Form der Erreger mit kleinen "Flossen", mit deren Hilfe sich die Erreger im Hund fortbewegen und die Makrophagen besiedeln. Dort angekommen werfen sie die Flossen ab und vermehren sich. Diese Erreger ohne Flossen nennen sich Amastigote, die können also nicht einfach bei Kontakt in andere Blutzellen überspringen oä. Erst muss die Sandmücke erneut Blut saugen und mit dem Blut Amastigote aufnehmen, dann entwickeln sich diese Amastigote im Mückenkörper erneut zu Promastigoten und erst die können von der Mücke dann bei einem neuen Stich an den nächsten Hund übertragen werden. Da es bei uns keine Sandmücken gibt, bleibt als mögliche Übertragung nur die Bluttransfusion.

    Ob es zu einem schweren Ausbruch kommt kann man nicht vorhersehen. Man kann es nicht ausschließen, auch wenn diese Fälle selten sind. Wichtig wäre ein Blutbild+Organwerte+Serum elektrophorese, daran kann man sehen, ob es bereits innerlich zu Abweichungen der Laborwerte gekommen ist. Einen Ausbruch der Leishmaniose kann man nur daran erkennen, zu allererst verändern sich ganz typische Laborparameter.

    Ach mensch, ich verstehe deine Verunsicherung. Als ich mich Ende 2002 für meine erste spanische Hündin mit positivem Leishmaniosetest entschieden hatte, war so wenig darüber bekannt, ich konnte nur wenig Infos bekommen. Heute wissen wir da schon so viel mehr und haben viel mehr Möglichkeiten gezielt die Therapie anzupassen. Wenn ich so an meine vergangenen Hunde denke, dann macht mir heute Leishmaniose nicht mehr wirklich Angst, für mich war die Erfahrung mit meiner Epilepsie-Hündin der Horror. So eine furchtbare Krankheit, sie kommt einfach so aus dem Nichts und man ist völlig machtlos, wenn keins der Medikamente anschlägt. Das waren schlimme Jahre. Aber jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen. Wenn die Angst zu groß ist, dann gebt ihn wieder ab. Ansonsten würde ich mich für ihn freuen, wenn ihr auch trotz seiner möglichen Leishmaniose mit ihm den Weg gemeinsam geht.
    Viele Grüße
    Michaela


    Befunde Enia
    Befunde Joschi

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