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Thema: Beschäftigung mit dem Thema Leishmaniose und 3 Fragen dazu

  1. #1
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    Beschäftigung mit dem Thema Leishmaniose und 3 Fragen dazu

    Hallo zusammen,

    schön, dass es dieses Forum gibt mit einer so tollen Beratung! 

    Mein Mann und ich nehmen im August einen Hund aus Südspanien (Andalusien) bei uns auf. Obwohl wir natürlich hoffen, dass er frei von Mittelmeerkrankheiten ist, kann man das ja nie sicher wissen, da er sich ja obwohl er in Spanien getestet wird, noch bis zur Ausreise infizieren könnte und die Antikörper meines Wissens ja auch erst einige Wochen nach der Infektion nachweisbar sind.

    Deshalb dachte ich, informiere ich mich schon mal etwas über die Krankheit, da man es ja leider nie ganz ausschließen kann.

    Ein paar Fragen beschäftigen uns derzeit besonders:

    1. Obwohl sie in Spanien getestet werden, sind wir vom Verein vertraglich verpflichtet, das Reiseprofil 2 durchführen zu lassen. Das finde ich gut und zeichnet m.E. u.a. auch einen seriösen Verein aus.
    Soweit ich weiß, wird das Reiseprofil 2 dann noch einigen Monaten durchgeführt. Genaues Datum steht im Vertrag.
    Nun las ich beim Verein Parsitus EX, dass sie das zeitnah empfehlen, da ein Ausbruch der Krankheit auch mit dem Stress der Reise, der Impfung vor der Ausreise, dem Einleben bei den neuen Besitzern ect. ausbrechen kann.
    Wann empfehlt ihr das Reiseprofil 2?


    2. Ist es richtig, dass ein Hund der Leishmaniose Antikörper aufweist, nicht mehr geimpft werden soll? Oder trifft dies nur auf Hunde zu, deren Leishmaniose aktiv / ausgebrochen ist?
    Wenn Impfungen auch bei Hunden nicht erfolgen dürfen, die „nur“ Antikörper haben und nicht erkrankt sind, ist der Hund ja nur grundimmunisiert (das machten sie in Spanien) und würde dann nie wieder geimpft werden. Besteht dann nicht die Gefahr, dass der Hund eben an den Erkrankungen erkrankt, gegen die er dann NICHT geimpft ist?? Staupe, Leptospirose usw.

    Mit einem nicht geimpften Hund kann man dann ja auch Deutschland nicht verlassen, oder? Wir wandern gern in Österreich, würden gern in den Urlaub nach Dänemark. All das ginge dann nicht??

    3. Ich las nun öfters, dass es vom Immunsystem des Hundes abhängt, ob die Krankheit ausbricht, wenn er infiziert ist. Vielleicht eine blöde Frage, aber muss man dann auch Angst haben, dass der Hund einen Infekt bekommt (Kälte im Winter oder gar wenn man selbst einen Infekt hat, dass man den Hund ansteckt) und dadurch die Leishmaniose aktiv wird? Oder ist ein Infekt nicht gleichzusetzen mit einem schwachen Immunsystem?

    So, das wären erstmals meine Fragen. Die 3. Ist wahrscheinlich etwas überflüssig. Zumindest las ich im Internet nirgends, dass es einen Leishmanioseschub gibt, wenn Frauchen oder Herrchen Grippe haben ;-)

    Viele Grüße & Danke für eure Antworten
    Judy

  2. #2
    Forum-Team Avatar von henri
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    Hallo Judy, herzlich willkommen

    Zu 1: Kommt drauf an, wann der Test im Heimatland war. Wenn der kurz vor Ausreise gemacht wurde, muss man den nicht gleich nach Ankunft wiederholen. Aber Blutbild etc. würde ich immer kurz nach Ankunft machen lassen, weil man nur so einen Iststand der inneren Blutwerte hat und fast alle Leishmanioseausbrüche sich zuerst innerlich ankündigen.

    Zu 2: Einem Hund mitten im Schub würde ich auf keinen Fall eine Impfung zumuten. Ist die Krankheit inaktiv, kann man abwägen was man macht. Gerade Tollwut ist ja ein Totimpfstoff und nicht so belastend, wie Lebendimpfstoffe. Da würde ich aber immer zB Nobivac T geben lassen, weil der eine 3-Jahreszulassung hat. Und es ist auch ein Unterschied, ob ein Hund eine Nachimpfung bekomt, oder ob sein Immunsystem sich mit ganz neuen Impferregern auseinandersetzen muss. Auch kann man SHP versetzt zur Tollwut geben und so die Belastung entzerren. Fragt doch mal den Verein, ob die nicht für die Ausreise gleich den 3-Jahresimpfstoff Tollwut geben können, manche machen das eh, so dass man sich über eine Nachimpfung erst 3 Jahre später Gedanken machen muss. Ich selber habe bei meinen Hunden zB jetzt mal die Antikörper für Staupe und Parvovirose messen lassen. Sind die hoch genug, kann man sich die Nachimpfung sparen und braucht sich nur um Tollwut Gedanken machen.


    Zu 3: Ich habe schon meinen Hund angesteckt, einmal vor vielen Jahren, als ich erkältet war. Jedenfalls habe ich das angenommen, weil meine Hündin gehustet hat. Dass dadurch die Leishmaniose ausbricht kann ich mir nicht vorstellen, ich weiß es aber auch nicht.

    Finde ich jedenfalls ganz prima, dass ihr euch für einen Spanier entschieden habt und euch bereits vorab informiert.
    Viele Grüße
    Michaela


    Befunde Enia
    Befunde Joschi

  3. #3
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    Hallo Judiy!

    Willkommen im Forum

    Man muss sich individuell entscheiden, wann man testet, ist meine Meinung. Wenn in Spanien umfassend KURZ vor Ausreise getestet wird, kann man auch einige Zeit warten bis zur (ersten) Wiederholung des Checks, keinesfalls aber 6 Monate, wie es leider oft empfohlen wird, denn das Ziel soll ja eine Früherkennung sein. Nur um erwachsene Herzwürmer sicher ausschliessen zu können, benötigt man eine Wartezteit von mindestens 6 Monaten, da diese so lange zur Entwicklung benötigen und erst dann per Herzwurm-Antigen nachweisbar sind. Eine vorhandene schon länger bestehende Infektion mit Makrofilarien kann man aber unmittelbar feststellen. Aber es kommt ausserdem z.B. auf das Alter des Hundes an.

    Nur gesunde Hunde sollen geimpft werden, s. Beipackzettel Impfstoffe. Infizierte Hunde gelten eigentlich nicht als gesund. Eine Impfung kann eine LM oder andere MMK zum Ausbruch bringen oder, wenn sie unerkannt ist, verschlimmern. Grundimmunisierte bzw. geimpfte Hunde können viele Jahre lang einen ausreichenden Impfschutz haben.

    Wichtig ist ein "ausgeglichenes" Immunsystem um den Ausbruch einer MMK zu verhindern. Ein normaler Infekt löst idR keinen LM-Ausbruch aus. LM-Hunde können aber anfälliger sein. Dies entspräche dann einem LM-Symptom.

    Das erstmal kurz und knapp. Melde Dich wieder, wenn etwas unklar ist

    Liebe Grüsse

    Andrea

  4. #4
    Unregistriert
    Gast
    Vielen Dank für eure Antworten, euch beiden! :-)

    Wie ist das dann, wenn man Leishmaniose-positive Hunde oder zumindest auf alle Fälle die, die schon mal einen Schub hatten, nicht impfen lässt. Verlassen die Besitzer dann Deutschland wirklich gar nicht? Ich will ja zwar nichts illegales machen, aber wir wohnen nur 1,5 Stunden von der Grenze nach Österreich entfernt und gehen dort gerne wandern...
    Und wenn man mit dem Auto in die angrenzendes Länder (Dänemark etc.) reist, wird doch kein Impfpass kontrolliert, oder?

    Wenn man z.B. die Antikörper gegen Staupe etc. abnehmen lässt und diese hoch genug sind, könnte das ja eigentlich auch im Impfpass vermerkt werden und als geimpft gelten. Wird sowas auch anerkannt? Ein Nachweis über ausreichend hohe Antikörper?

    Wie viele Hunde aus Südspanien haben denn so in etwa Antikörper gegen Leishmaniose? Und wie viele erkranken? Nur so grob. Vielleicht habt ihr Erfahrungswerte? Ich kann das gar nicht einschätzen. Fast alle? Jeder Zweite? Jeder Fünfte? Jeder Zehnte? Noch weniger?
    Leider verwendet das TH dort kein Scalibor-Halsband oder Adventix. Soweit ich weiß müsste das ja schützen. Sie sagen, die Bravecto Tabletten würden nach neusten Studien auch schützen. Darüber konnte ich trotz intensiver Recherche nichts finden. Aber ich befasse mich ja erst ganz neu mit dem Thema.

    Wir freuen uns sehr auf unserer neues vierbeiniges Familienmitglied :-) Aber durch die Auseinandersetzung mit den MM-Krankheiten kommt schon manchmal der Gedanke bei mir auf, dass man sich irgendwie fast bewusst dafür entscheidet ein "gesundheitliches Risiko" einzugehen. Unser verstorbener Hund hatte das Glück sehr alt zu werden (fast 17 :-) und wir begleiteten ihn in seinen letzten Jahren sehr intensiv durch so manche Krankheit und starke Altersgebrechen. Ein wenig haben wir nun insgeheim schon die Sehnsucht nach etwas Unbeschwertheit mit Hund. Aber es scheint ja nicht der Fall zu sein, dass alle Leute mit Hunden aus MMK-Risikogebieten unbeschwert sind. Vielleicht muss man einfach etwas optimistisch an die Sache rangehen. Informieren, aber sich nicht verrückt machen.
    Dann denke ich auch wieder, dass es doch jeder Hund verdient hat, ein schönes Leben zu führen und er ja auch nichts dafür kann, wenn er von dieser Mücke gestochen wird. Manche Leute kaufen ja sogar Rassen beim Züchter von denen man weiß, dass sie zu bestimmten Erkrankungen neigen.

    Seid lieb gegrüßt
    Judy

  5. #5
    Forum-Team Avatar von henri
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    Zitat Zitat von Unregistriert Beitrag anzeigen
    Wie ist das dann, wenn man Leishmaniose-positive Hunde oder zumindest auf alle Fälle die, die schon mal einen Schub hatten, nicht impfen lässt. Verlassen die Besitzer dann Deutschland wirklich gar nicht?
    Ja, entweder sie machen Urlaub in D, oder sie geben den Hund den Eltern, Kindern, Freunden etc. für die 2-3 Wochen im Jahr.


    Wenn man z.B. die Antikörper gegen Staupe etc. abnehmen lässt und diese hoch genug sind, könnte das ja eigentlich auch im Impfpass vermerkt werden und als geimpft gelten. Wird sowas auch anerkannt? Ein Nachweis über ausreichend hohe Antikörper?
    Es gibt in D keine Impfpflicht. Ich lasse meine Hunde SHP impfen, weil ich will, dass sie vor den Krankheiten geschützt sind und das muss man nirgendwo nachweisen. Manche Tierpensionen verlangen so eine Impfung, ok, dann kann man ja das Laborergebnis vorweisen. Es gibt von der StikoVet eine Stellungnahme, ich meine, dass dort auch die Titerhöhe drin steht, die für einen Schutz ausreichend ist.

    Nur Tollwut ist für einen Grenzübertritt vorgeschrieben. Und wie gesagt, alle drei Jahre impfen ist schon mal weniger als jährlich. Und das kann ich durch die Wahl des Impfstoffs beeinflussen. Hat mein TA den Impfstoff nicht da, hat ihn sicher ein anderer. Ich habe damals deswegen den TA gewechselt, weil meiner nur 5-fach Impfen da hatte und auch nicht Nobivac T für mich bestellen wollte.


    Wie viele Hunde aus Südspanien haben denn so in etwa Antikörper gegen Leishmaniose? Und wie viele erkranken? Nur so grob. Vielleicht habt ihr Erfahrungswerte?
    Keine Ahnung. Hier ins Forum kommen hauptsächlich betroffene Hunde. Aber man kennt die Prävalenz der positiven Hunde. Je nach Herkunftsgebiet habe ich da um bis zu 80 % im Kopf. Wobei positiv nicht automatisch krank bedeutet. Ich schätze mal nach den Fällen hier aus dem Forum, dass ca. 10-15 % der Hunde einen schweren Verlauf haben. ALso bei vielen bricht die Leish aus, dann wird Allo gegeben, dann werden die Werte gut und teilweise kann Allo wieder abgesetzt werden und es ist trotzdem jahrelang Ruhe. Das sind die leichten Fälle, die es häufiger gibt. Bei den schweren Verläufen reicht Allo nicht aus, es muss Milte, oder Glucantme gegeben werden, es gibt erhöhte Nierenwerte, Allo kann nicht abgesetzt werden, es kommt immer wieder zu Schüben, so dass erneut Glucantime gegeben werden muss. Diese Fälle sind selten, aber es gibt sie. Mal so grob in Kurzform.

    Zu Bravecto, guck mal hier: https://leish.info/bravecto/


    Wir freuen uns sehr auf unserer neues vierbeiniges Familienmitglied :-)
    So soll es sein. Und genau, er kann da rein gar nichts für. Andere Orgas geben positive Hunde gar nicht in die Vermittlung, die bleiben in der Tötung, weil einfach kaum jemand einen infizierten Hund haben will und es kursieren ja auch genug Horrorgeschichten im Netz. Und auch hier im Forum sagen einige, "nie wieder", vor allem, wenn der Hund schon krank hier ankam und nicht alt geworden ist. Andere sagen "immer wieder einen Leishhund", wo der vorherige Hund einen Verlauf hatte, der händelbar war, oder weil evtl. auch die Einstellung eine andere ist. Und wir haben jede Menge Hunde, die auch richtig alt geworden sind, trotz ihrer Leishmaniose und im Endeffekt an Krebs oä. verstorben sind. Also der Regelfall ist ein infizierter Hund, der alt wird, trotz Leishmaniose. Aber es gibt halt auch die Ausnahmen und es gibt euch keine eine Garantie. Man kann es nicht vorhersagen.

    Eine gute Voraussetzung ist es, dass ihr euch vorher informiert und man im Falle eines Ausbruchs sofort mit der Therapie loslegt und nicht wartet. Ach, ich hoffe sehr, dass ihr da Glück hab und er evtl. ja sowieso nie erkrankt und gar nicht infiziert ist.
    Viele Grüße
    Michaela


    Befunde Enia
    Befunde Joschi

  6. #6
    Forum-Team Avatar von henri
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    Guck mal, habe dir die Stellungnahme der StikoVet zur Antikörperbestimmung vor einer Impfung rausgesucht, da ist alles gut erklärt:

    Viele Grüße
    Michaela


    Befunde Enia
    Befunde Joschi

  7. #7
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    Vielen lieben Dank Michaela für deine Antworten und die Mühe, dass du sogar das Paper der StiKo rausgesucht hast.
    Das es für einen Grenzübertritt "nur" eine Tollwutimpfung braucht, war mir gar nicht klar. Auch nicht, dass es Tollwut-Impfstoffe gibt, die eine unterschiedlich lange Wirksamkeit haben. Danke für diese wertvollen Infos!

    Die Seite mit Bravecto und der Leishmaniose entdeckte ich auch schon.
    Wie man aus der Studie allerdings abzuleiten meint, dass Bravecto gegen Leishmaniose wirken könnte, nur wenn man den Sandmücken Blut von mit Bravecto behandelten Hunden gibt und die Sandmücken dann nach einiger Zeit versterben, das verstehe ich nicht.
    Die Sandmücken übergeben die Leishmanien ja gleich nach dem Stich und nicht wie etwa Zecken erst nach einer gewissen Zeit. Somit bringt es für die Infektion ja keinen Schutz. Gut, ob die Leishmanien durch Bravecto dann evt. nachträglich im Organismus des Hundes abgegetötet werden könnten, das weiß ich natürlich nicht. Vielleicht zieht die Studie diese Rückschlüsse.

    Wenn ich euch hier richtig verstanden habe, dann ist es so, dass man bei einem Leishmaniose positiven Hund darauf achten sollte, dass er ein "ausgeglichenes" Immunsystem hat. Dass es weder geschwächt wird (durch Cortison z.B.) noch sehr angeregt wird (z.B. durch Impfungen, Echinacea). Verstand ich das richtig.

    Viele liebe Grüße & einen schönen Tag
    Judy

  8. #8
    Forum-Team Avatar von henri
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    Ja genau, immunstimulierende Mittel sind zu vermeiden. Auch Stress, wobei halt fraglich ist, wie groß der eigene Einfluss darauf ist. Aber für einen Hund in einem liebevollen Zuhause mit lecker Futter und sicherem Schlafplatz bedeutet das ganz sicher weniger Stress, als im Tierheim, oder allein auf der Straße.
    Viele Grüße
    Michaela


    Befunde Enia
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