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Thema: Einschätzung Befund Leish positiver Hund Spanien

  1. #1
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    Einschätzung Befund Leish positiver Hund Spanien

    Hallo zusammen,

    wir stehen kurz vor der möglichen Adoption eines Rüden (1,5 Jahre) aus Spanien.
    Dieser kam über Umwege in ein Tierheim zu dem wir in persönlichem Kontakt stehen.
    Er wurde mit mündlich überlieferten Ergebnissen (Leish positiv) in den letzten 1-2 Monaten mit Allopurinol behandelt. Da er nun kastriert wurde, hat man die Chance genutzt und Blutwerte erneut abgenommen.
    Diese kamen nun gestern an und brachten ein paar Überraschungen.

    Die Ergebnisse sind (Normwerte in Klammern):
    Harnstoff 86 mg/100ml (10-50)
    Kreatinin 1.35 mg/100ml - (mittlere Rassengröße 10-25kg 0.7-1.4)
    GOT (AST) 46 u/l (5 - 50)
    GPT (ALT) 15 u/l (5-90)

    Filariose negativ
    Babesiose negativ
    Ehrlichiose negativ
    Anaplasmose negativ
    Leishmaniose 1:1280

    Er bekommt aufgrund des Leish Wertes seit zwei Tagen Glucantime zusätzlich zu Allopurinol und ICR Vet.
    Moxilium geben sie wohl 1 Monat lang alle 4 Monate (generell).
    Er ist zusätzlich wirklich mager, was man durch das lange Fell nicht direkt sieht. Leckerli reißt er einem aber aus der Hand, also keine Appetitlosigkeit (nur das Trockenfutter hat er nicht genommen, als ich es versucht habe).
    Meine Frage ist: ist der Harnstoffwert bedrohlich schlecht oder kann man das mit purinarmer Ernährung (Barf) wieder etwas zurechtrücken?
    Ist der eher höher angesiedelte Kreatinin und GOT Wert ein Indikator dafür, dass sich dort bereits etwas in den Organen anbahnt?
    Nach Rücksprache mit spanischen Tierärzten wurde uns gesagt, dass man Glucantime in Spanien schneller einsetzt (und bei dem hohen Titer wsh auch notwendig?) und man dies nicht als allerletzte Möglichkeit sieht.
    Wir haben viel über Leishmaniose gelesen und sind uns der allg. Risiken, Kosten etc. bewusst.
    Uns geht es daher nur darum, ob wir hier aufgrund der neuen Werte jetzt bereits in ein Szenario laufen, das uns den Hund in einem Jahr kosten könnte, da die Parameter nicht mehr günstig stehen.
    Dann würden wir ihm durch eine Tollwutimpfung und den Transportstress wohl keinen Gefallen tun.

    Ich bin dankbar für jede Einschätzung, die uns die Entscheidung leichter macht!

    Viele Grüße
    Katharina

  2. #2
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    Hallo Katharina!

    Willkommen hier

    Der Hund befindet sich noch in Spanien, wo Du ihn vor Ort kennengelernt hast? Ist er denn mittelgross, so wie Du den Referenzbereich ausgewählt hast? Kannst Du bitte den kompletten Befund als Bild zeigen. Es gibt sicher auch ein Blutbild z.B. Weisst Du denn bereits sicher die TW-Impfung steht noch aus? IdR werden die Hunde bei Ankunft im Tierheim geimpft, wenn der Impfstatus unbekannt ist.

    Meine erste Frage an die Tierschützer in Spanien wäre, ob der Hund nüchtern war bei der Blutabnahme? War er es nicht, ist der Harnstoff vermutlich futterbedingt erhöht. Aber auch, wenn er nüchtern war, ist dieser Wert als Einzelwert nicht besorgniserregend, sollte aber zeitnah kontrolliert werden. Natürlich kann man mit Fütterung entgegen wirken bzw. Nierendiät, naturheilkundlichen Mitteln etc. Vor allem aber muss man wissen, ob erhöhte Nierenwerte fortbestehen (oder nur isoliert bzw. einmal gemessen werden) und diese durch die LM oder eine andere bisher unerkannte Mittelmeerkrankheit ausgelöst werden könnten.

    Hoffe das hilft Dir schonmal.

    Liebe Grüsse

    Andrea

  3. #3
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    Jetzt sehe ich Du hast Deinen Eingangspost nochmal geändert: Motilium / Domperidon wird häufig eingesetzt. ICR Vet kenne ich nicht, kann ich auf die Schnelle auch nicht finden. IdR werden Hunde unter Glucantime-Therapie nicht auf Reise geschickt. Ja, richtig, in Endemiegebieten erfolgt die Therapie unter anderen Gesichtspunkten u.a. um die Verbreitung auf Menschen einzudämmen (je weniger erkrankte Hunde, umso weniger infizierte Sandmücken und infizierte Menschen).

    Jeder Hund mit LM kann innerhalb eines Jahres, weniger Monate oder weniger Wochen versterben.

  4. #4
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    Welche Chancen ein Hund hat, hängt wesentlich von der Früherkennung, der Behandlung, dem Management (z.B. Impfung ja-nein, passendes Zuhause, weitere Erkrankungen etc.) und, nicht zuletzt, von sorgfältiger und regelmässiger Überwachung der Blutwerte und des (äusseren) Zustands ab. Im Notfall können Blutkontrollen wöchentlich oder mehrmals wöchentlich, Klinikaufenthalte, Bluttransfusion etc. nötig sein.

  5. #5
    Forum-Team Avatar von henri
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    Hallo Katharina, herzlich willkommen. Wie schön, dass ihr ihm trotz seiner LM ein eigenes Zuhause geben wollt. Das ist die beste Vorsorge für ihn, denn bei euch kann er viel gezielter überwacht werden, als ein Tierheim das kann. Anhand eines einsamen einzigen erhöhten Harnstoffwert, kann man keine Aussage darüber treffen, ob das nun von der LM kommt, das sehe ich wie Andrea. Es ist auf jeden Fall gut, dass er "nur" mit LM infiziert ist und die anderen Krankheiten negativ getestet wurden. Das ist nach unseren Erfahrungen wesentlich leichter zu behandeln, als wenn da noch andere Erreger mit im Gepäck sind. Aber man kann es halt nie genau vorhersagen. Wurde vielleicht auch ein Blutbild gemacht? Für die Ausreise fände ich es wichtig, dass er zB keine starke Anämie hat.

    Den Titer finde ich jetzt nicht besonders hoch, wahrscheinlich ist der Referenzwert 1:80, oder? Ach mensch, ich wünsche ihm sehr, dass er bald zu euch reisen darf.
    Viele Grüße
    Michaela


    Befunde Enia
    Befunde Joschi

  6. #6
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    Hallo zusammen,
    vielen Dank für die schnellen Rueckmeldungen!
    Mich hat leider eine Lebensmittelvergiftung fest im Griff, daher erst jetzt meine Antworten.
    Ich habe hier (hoffentlich richtig gemacht) die Befunde hochgeladen.









    Ich beantworte kurz die Rueckfragen: Der Hund wiegt momentan ca 18 kg, ist aber groessentechnisch bei 55cm zu verorten, also ja Referenzbereich passt
    Ein Blutbild gibt es leider nicht, nur die Befunde zu Leber und Nieren und MMK.
    Der Leish Referenzwert ist 1:40.
    Nuechtern war er aufgrund Narkose für die Kastration, so viel weiß ich.
    Tollwut ist er nicht geimpft bisher, das machen sie immer erst, wenn der Hund Adoptanten gefunden hat.
    Wir haben durch den Wohnort meiner Eltern einen Bezug zu diesem TH und waren vor Ort - in 1.Linie um zu testen, ob er sich mit unseren Huendinnen versteht. Dabei kamen dann diese Befunde, die am Vorabend unsers Besuchs eintrafen, zur Sprache.
    Da ich gut spanisch spreche, habe ich mich zusammengerissen und wir haben uns an diesem WE noch mit zwei TAs getroffen, um so viele Infos wie moeglich zu sammeln. Dass dies alles gratis war und wie unfassbar freundlich die TAs in Spanien sind, hat mich wirklich fasziniert. Von seinen Werten waren sie ebenfalls wie ihr nicht sonderlich beunruhigt- also im Sinne Nierenversagen etc. Natuerlich wurde auch hier gesagt es ist nicht schwarz/weiß und man es nie vorhersagen kann. Dessen sind wir uns bewusst. Sie haben uns bestaetigt, dass, wie ihr auch gesagt habt, man dort einmal mehr „drauf haut“, damit die einmal Leishmanien abgetoetet werden und man danach hfftl. mit Allopurinol zurecht kommt.
    Wir haben, da die Entscheidung an diesem Abend im Grunde fuer ihn sowieso quasi feststand, auch nachgefragt wie wir das mit der notwendigen Tollwut Impfung hinbekommen wuerden. Unsere Orga hat keinen Transport mehr im Dezember, wir wollten aber warten bis die Therapie beendet ist, bevor man ihm den Stress antut. Nun ist unsere Idee, dass wir ihn, da er sowieso schon so mager ist und Appetitlosigkeit ja auch noch eine Nebenwirkung von Glucantime sein kann, so schnell wie moeglich im Dezember aus der Protectora holen, damit er gutes Futter bekommt und zur Ruhe kommen kann und dann nach 10 Tagen mit dem Auto kurz vor Weihachten nach Dtld zurueckfahren. Das mit der Impfung ist natürlich nicht trivial. Was wuerdet ihr als Abstand zwischen Behandlungsende und Impfung empfehlen? Waeren 10 Tage hier ok? Es geht uns um das geringere Uebel fuer ihn- in der Protectora mit Standard Trofu ohne Beobachtung in der Kaelte und der Hektik zu bleiben und die Impfung weiter hinauszuschieben, oder ihm diesen Stress anzutun, dafuer aber ankommen zu koennen.

    Vielen Dank vorab!

  7. #7
    Forum-Team Avatar von henri
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    Hallo, also ich wüsste jetzt nicht, ob man überhaupt einen Abstand Glucantime-Tollwutimpfung einhalten sollte/müsste. Das Leben dort mit vielen Hunden, wo ständig einer bellt, es hektisch zugeht, weil sich ja auch unter den Hunden nicht jeder mit jedem gleich gut versteht, der Stress um die Futterressource, das ganze Drum und Dran, also ich meine es ist der beste Weg, wenn man ihn da so schnell wie möglich rausholt. Glucantime reichert sich nicht im Körper an, ich meine im Kopf zu haben, dass es eine gringe Halbwertszeit hat und wenn ihr mit der Impfung warten wollt, bis Glucantime beendet ist, würde ich jetzt sagen, dass man da keine 10 Tage warten muss. Was sagt denn der spanische Tierarzt dazu? Auf jeden Fall ist das Reiseprofil umfangreich, da gibt es auch Orgas, die weniger Krankheiten testen.

    Im Endeffekt gibt es keine gesicherte Aussage zu Impfung und Leishmaniose. Es ist ein Faktor unter vielen, der das Immunsystem beschäftigt. Wir sehen hier halt öfter mal einen Ausbruch der Leishmaniose nach der Einreise, wobei man da nicht sagen kann, was genau nun was wie beeinflusst hat. Im Endeffekt verlieren die Hunde ihr bekanntes Zuhause, auch wenn es dort aus unserer Sicht schlimm für sie ist, der Verlust des bekannten Umfeldes, der Stress in neuer fremder Umgebung bei ängstlichen Hunden, schlechter Allgemeinzustand, Impfung vor Ausreise, all das sind ja Einflussgrößen, die dazu beitragen können, dass da das Immunsystem es nicht alleine schafft die Erreger in Schach zu halten. Aber auch Hunde die dort leben, auch da kann die Leishmaniose ausbrechen, ganz ohne Impfung, ganz ohne Umzugsstress. Schwer trifft es wenige Hunde, aber man weiß nie sicher, welcher Hund ein gut funktionierendes Immunsystem vererbt bekommen hat und welcher nicht.


    Habe ich das richtig verstanden, dass ihr vor Weihnachten nach Spanien fahren werdet, euch dort aufhalten wollt bis Glucantime rum ist und ihn dann selber im Auto mit nach D nehmt? Also habt ihr euch für ihn entschieden, das freut mich total.
    Geändert von henri (16.11.2021 um 23:54 Uhr)
    Viele Grüße
    Michaela


    Befunde Enia
    Befunde Joschi

  8. #8
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    Hallo!

    Nach TW hat man eine Wartezeit von, ich glaube, 21 Tagen bis der Hund aus- bzw. in Deutschland einreisen darf.

    Wegen einer eventl. Pause zwischen Glucantime und Impfung würde ich, wie Michaela, einen spanischen TA befragen.

    Wenn auch die Tests recht umfangreich sind, so fehlen doch auch einige (Anaplasma platys, Hepatozoonose, Mikrofilarien, Rickettsia conorii wären die wichtigsten) und ich finde es ungewöhnlich das Blutbild wurde nicht erstellt. Eigentlich ist das Blutbild in Spanien eher Standard bei positiven Hunden.

    Dein Auserwählter ist grenzwertig, so würde man das hier ausdrücken, auf Ehrlichiose getestet, nicht negativ. Das bedeutet normalerweise ein Nachtest in einigen Wochen ist sinnvoll, um zu sehen in welche Richtung sich die Antikörperproduktion entwickelt.

    Auch die Nierenwerte bzw. alle Organwerte (Klinische Chemie), Blutbild und eine Eiweisselektrophorese mit Kurvendarstellung würde ich recht bald nach Ankunft kontrollieren bzw. erstellen lassen.

    Für einen Hund aus dem Tierheim, der ja u.U. nicht viel kennt, ist es auch Stress erst mit Euch bei Eurer Familie in Spanien Zeit zu verbringen, die Autofahrt und dann wieder eine neue Umgebung und Eingewöhnung in der neuen Heimat. Also das ist vielleicht auch nicht alles so einfach für ihn. Gutes Futter kann das nicht unbedingt alles ausgleichen. Wenn Ihr das so umsetzen könnt von der Seite des Tierheims, würde ich gleich aus Deutschland das Futter, das er weiter fressen soll, mitbringen und mir vom Tierheim etwas vom gewohnten mitgeben lassen, so dass Ihr langsam und schonend umstellen könnt.

    Eure Hündinnen lasst Ihr regelmässig testen nach dem Urlaub?

    Ich drücke die Daumen es klappt alles gut

    Liebe Grüsse

    Andrea

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